Kirche und Management
Einleitung zum Thema Kirche und Management
Schon in den 80er und 90er
Jahren des letzten Jahrhunderts konnte man feststellen, dass sich im kirchlichen
Nonprofit-Bereich Berge von typischen Management-Problemen aufstauten, die
jedoch nicht als solche erkannt, geschweige denn mit entsprechenden Ansätzen eines
zeitgemäßen Management angegangen wurden.
Dagegen standen zahlreiche
theologisch überhöhte, faktisch jedoch ideologisch motivierte Abwehrargumente,
die in Zeichen des gewachsenen Wohlstands nur schlecht eine verbreitete
Verwaltungs- und Versorgungsmentalität verdeckten.
- Zur selben Zeit war schon
absehbar, dass die Nachkriegsgeneration mit stetigem Wachstum an ihr Ende
kommen musste, mit gravierenden, langfristigen Folgen auch für verfasste
Kirche und Diakonie.
- Seit Mitte der 80er Jahre
lernten diakonische Einrichtungen im Nu, sich auf die neuen
Rahmenbedingungen des Sozialstaates einzurichten. Der erste Schritt geschah
in der Regel im Kopf von Führungsleuten mit dem Gedanken: "Ab sofort
sind wir ein christliches Unternehmen und wir verhalten und gestalten uns
langfristig nach innen und außen entsprechend." Zumeist und fast flächendeckend
war dieses neue Denken mit Leitbild-Prozessen innerhalb der Unternehmen
verbunden, die zu tief greifenden Transformationen führten. Diakonie - und
in entsprechender Weise Caritas - hat die Lektion der Zeit schnell gelernt.
- Um so erstaunlicher ist es,
dass sich verfasste Kirchen - andern gesellschaftlichen Großorganisationen wie Gewerkschaften und Universitäten vergleichbar - bis heute mit diesem
Umdenken noch immer sehr schwer tun und noch immer in der Phase des
phantasielosen Rotstifts verharren, anstatt Management-Probleme
professionell anzugehen.
- Der steigende Kostendruck
wird diesen Prozess auf allen Ebenen, von der Gemeinde über den
Kirchenkreis bis zur Landeskirche und darüber hinaus, wie von selbst
beschleunigen. Unter Insidern ist schon längst klar, dass auf der Basis von
gegebenen demographischen Fakten das Kirchensteueraufkommen bis ins Jahr
2030 kontinuierlich auf 50% schrumpfen wird, wenn noch einige lokale
Faktoren dazu kommen, wird es noch deutlich weniger sein.
- Mit bloßen Streichkonzerten sind die Herausforderungen, die darin stecken, nicht mehr
zu bewältigen. Statt dessen steht auch für verfasste Kirche ein
Leitbildwechsel an: Von der Verwaltung zur Gestaltung, von der Kirche des
Wohlstands zur Kirche in engen Grenzen, von der Stabilität zur Flexibilität
und zur permanenten Transformation. Wie können wir mit der Hälfte der
Mittel besseres kirchliches Leben ermöglichen? Ich halte diese typische
Management-Aufgabe sowohl theologisch und ekklesiologisch als auch ökonomisch
für lösbar, wenn - wie in der Diakonie - ein Ruck durch die Reihen geht.
Prof. Alfred Jäger, Bielefeld
Prof.
Dr. Alfred Jäger
war
Dozent für Systematisch Theologie
und
ist Studienleiter im
Kompetenzzentrum
Diakoniewissenschaft
an
der Kirchlichen
Hochschule in Bethel.
Quelle: Rubrik "Kirche
und Management"
Kopfbild: Rainer Sturm / www.pixelio.de
Foto: KiHo
Bethel